Ich Opa, was soll dieser Artikel mit "Fledderer" darauf heißen?
Opa: Herr Resch war Fledderer, anstatt Held.  Deswegen habe ich die Geschichte umgeschrieben.

 

 
Der Stürmer 
Parteigenosse Resch erwischt Verbrecher
    Mitten in der Nacht, wegen einer Meldung des Hausbesitzers Resch, wurde der langgesuchte Rabbiner N. verhaftet. 
    Parteigenosse Resch ist ein wahrer Held. Herr Resch, der 1932 der Partei beitrat, hatte 1933 eine Räumung der Wohnung seines Mieters, Herrn S., beantragt, weil er Jude ist.  Ein Zitat der Klageschrift:  "Der Kläger glaubt aus tiefster Seele an das Gedankengut der Partei und ist von der Richtigkeit ihrer Lehren überzeugt.  Ein wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Gedankengänge aber ist die Ablehnung des Judentums".  Da er mit seinem Rechtsanwalt rechtliches Neuland betrat, gab es Schwierigkeiten bei der Verhandlung, obwohl die Rechtslage eindeutig war.  Der Vorsitzende hatte nicht den Mut, das Richtige durchzusetzen.  Herr Resch beauftragte widerwillig seinen Rechtsanwalt, die Klage zurückzunehmen. 
   Was damals als ungerecht vorkam sieht jetzt viel gerechter aus.  Es diente als eine Art Falle,
daß der Beklagte im Haus blieb, denn er war es, der den Verbrecher, Rabbiner N., versteckte.  Der jüdische Mieter S. wurde wegen Beihilfe ebenfalls verhaftet.  Resch fühlte sich verpflichtet, auf die Bewegungen seiner Mieter ganz genau zu beachten.  Daher fand er heraus, daß etwas nicht stimmte.  Als sich sein Verdacht bestätigte, meldete Resch die Situation bei der Polizei.  Die Polizisten warteten bis es möglichst sicher war, daß alle Bewohner zu Hause sein würden.  Dabei könnten sie nachschauen, ob noch jemand im Haus wegen Beihilfe verhaftet werden sollte.  Noch ist der Sohn von dem Juden S. nicht gefunden. 
    Resch: "Durch meinen persönlichen Einsatz möchte ich dazu beitragen, das nationalsozialistische Weltbild zu verwirklichen".  
    Anständige Menschen wie Resch sind Vorbilder, die wir alle zur Kenntnis nehmen sollten und nachahmen sollten.
 

 
Ich Opa, was haben sie mit dem Rabbiner gemacht?
Opa: Das möchte ich auch wissen.  Ich frage mich noch, ob er meinte, dass ich es war, der seinen Versteck angemeldet hatte.  In dem Artikel wurde er halt Rabbiner N.  genannt.  Ich habe nie seinen Namen gekannt.  Ich werde sein Gesicht aber nie  vergessen.

Rabbiner in Berlin
 
 
Wie könnte man so einen Mann Held nennen?  Die ganze Welt soll die Wahrheit wissen.  Wenn ich jemandem erzähle, wie alles wirklich gelaufen ist, wird Resch uns wahrscheinlich kündigen.   Sowas könnte ich meinen Eltern nicht antun.  Deswegen schreibe ich jetzt nur für mich den Artikel, wie es in der Zeitung hätte erscheinen sollen.  Ja, für mich und auch für Friedrich. 
Fledderer Resch

Es war mitten in der Nacht.  Wir hörten viel Lärm.  Männerstimmen.  Eine Tür wurde geschlagen.  "Sofort aufmachen, Polizei!"  Wir lauschten hinter unserer Tür.  Herr Resch, dem das Haus wichtiger war als die Einwohner, machte denen die Tür auf, damit sie sie nicht gewaltsam brechen mußten. "Hände hoch!" schrie eine Stimme.  Dann wurde es still.  Wir schauten von dem Treppenabsatz zu. 
     Den Rabbi hatte man mit Handschellen gefesselt.  Er schaute erst Vater, dann mich an und senkte den Kopf.  Herr Schneider schritt zuletzt die Treppe herab.  Von oben beim Abschließen sagte Herr Resch, dass einer fehlte.  Unten rief einer, daß sie ihn noch erwischen würden.  Der "Held" im Schlafanzug war sehr stolz auf sich, als er meinem Vater sagte, daß wir den lästigen Mieter los seien. 
      Niemand schlief.  Am nächsten Morgen wartete ich hinter der Tür.  So wurde ich Augenzeuge.  Friedrich sprang die Treppe hinauf.  Ich rannte hinaus und jagte ihm nach.  Es war zu spät.  Die Wohnungstür stand offen.  Friedrich war im Wohnzimmer.  Mit gespreizten Beinen versperrte er die Tür.  Bewegungslos starrte er auf Herrn Resch.  Herr Resch kniete auf dem Fußboden.  Sein schreckensbleiches Gesicht war Friedrich zugewandt.  Seine linke Hand streckte er abwehrend Friedrich entgegen.  Wie ein Steindenkmal ragte er an seinem Platz.  Nur seine Finger zitterten leise.  Am Boden lag die Einkaufstasche von Frau Resch mit Schneiders Eigentum vollgestopft.  Eine von Schneiders Decken verbarg das Übrige.  Nur den silbernen Sabbatleuchter konnte man sehen, weil er nicht in die Tasche paßte.  Papiere, Bilder und Briefe lagen auf dem Fußboden umhergestreut.  Eine von Schneiders Sitzkisten gefüllt mit Schneiders Hausrat wartete neben der Tür. 
     Die Stille drinnen war grauenhaft und dauerte eine Ewigkeit.  Da spuckte Friedrich Herrn Resch mitten ins Gesicht und schrie,"Fledderer!"  Herr Resch griff nach dem Sabbatsleuchter.  Friedrich stand in der Tür ohne zu zucken.  Resch richtete sich auf und wankte auf Friedrich zu, den silbernen Sabbatleuchter in der erhobenen Hand.  Friedrich wich nicht. "Hilfe!" kreischte plötzlich Herr Resch.  "Überfall!  Ein Jude!  Haltet ihn!  Polizei!"  Friedrich sprang an mir vorbei, lief die Treppe hinab - aus dem Haus - fort. 
     Dann brachte Herr Resch, der Fledderer, seine Beute nach unten. Die Briefe, Bilder und Papiere sammelte ich ein.  Ich brachte sie nach unten ehe Herr Resch wieder nach oben konnte.

 
Ich Was hat Herr Resch mit den Sachen gemacht?
Opa: Was wertvoll war, hat er bestimmt verkauft.  Schade, dass so einer die heiligen Sachen der Familie Schneider angefasst hat.

RESTITUTION
 "Das Gegenteil von Liebe ist nicht Hass - sondern Gleichgültigkeit!"
- Eli Wiesel
 
 
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