| Wie
könnte man so einen Mann Held nennen? Die ganze Welt soll die
Wahrheit wissen. Wenn ich jemandem erzähle, wie alles wirklich
gelaufen ist, wird Resch uns wahrscheinlich kündigen.
Sowas könnte ich meinen Eltern nicht antun. Deswegen schreibe
ich jetzt nur für mich den Artikel, wie es in der Zeitung hätte
erscheinen sollen. Ja, für mich und auch für Friedrich.
Fledderer
Resch
Es
war mitten in der Nacht. Wir hörten viel Lärm. Männerstimmen.
Eine Tür wurde geschlagen. "Sofort aufmachen, Polizei!"
Wir lauschten hinter unserer Tür. Herr Resch, dem das Haus wichtiger
war als die Einwohner, machte denen die Tür auf, damit sie sie nicht
gewaltsam brechen mußten. "Hände hoch!" schrie eine Stimme.
Dann wurde es still. Wir schauten von dem Treppenabsatz zu.
Den Rabbi hatte man mit Handschellen gefesselt. Er schaute erst Vater,
dann mich an und senkte den Kopf. Herr Schneider schritt zuletzt
die Treppe herab. Von oben beim Abschließen sagte Herr Resch,
dass einer fehlte. Unten rief einer, daß sie ihn noch erwischen
würden. Der "Held" im Schlafanzug war sehr stolz auf sich, als
er meinem Vater sagte, daß wir den lästigen Mieter los seien.
Niemand schlief. Am nächsten Morgen wartete ich hinter der Tür.
So wurde ich Augenzeuge. Friedrich sprang die Treppe hinauf.
Ich rannte hinaus und jagte ihm nach. Es war zu spät.
Die Wohnungstür stand offen. Friedrich war im Wohnzimmer.
Mit gespreizten Beinen versperrte er die Tür. Bewegungslos starrte
er auf Herrn Resch. Herr Resch kniete auf dem Fußboden.
Sein schreckensbleiches Gesicht war Friedrich zugewandt. Seine linke
Hand streckte er abwehrend Friedrich entgegen. Wie ein Steindenkmal
ragte er an seinem Platz. Nur seine Finger zitterten leise.
Am Boden lag die Einkaufstasche von Frau Resch mit Schneiders Eigentum
vollgestopft. Eine von Schneiders Decken verbarg das Übrige.
Nur den silbernen Sabbatleuchter konnte man sehen, weil er nicht in die
Tasche paßte. Papiere, Bilder und Briefe lagen auf dem Fußboden
umhergestreut. Eine von Schneiders Sitzkisten gefüllt mit Schneiders
Hausrat wartete neben der Tür.
Die Stille drinnen war grauenhaft und dauerte eine Ewigkeit. Da spuckte
Friedrich Herrn Resch mitten ins Gesicht und schrie,"Fledderer!"
Herr Resch griff nach dem Sabbatsleuchter. Friedrich stand in der
Tür ohne zu zucken. Resch richtete sich auf und wankte auf Friedrich
zu, den silbernen Sabbatleuchter in der erhobenen Hand. Friedrich
wich nicht. "Hilfe!" kreischte plötzlich Herr Resch. "Überfall!
Ein Jude! Haltet ihn! Polizei!" Friedrich sprang an mir
vorbei, lief die Treppe hinab - aus dem Haus - fort.
Dann brachte Herr Resch, der Fledderer, seine Beute nach unten. Die Briefe,
Bilder und Papiere sammelte ich ein. Ich brachte sie nach unten ehe
Herr Resch wieder nach oben konnte. |