| Ich: | Was bedeutet es eigentlich, Jude zu sein? Hast du persönliche Erfahrungen mit der jüdischen Religion gehabt? |
| Opa: | Ja, viele. Eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde, war dieser sogenannte Freitagabend. Schau mal. Hier ist ein Eintrag von meinem Tagebuch zu dieser Zeit. |
| Heute war ein besonderer Tag. Wie normal, habe ich mit Friedrich in seiner Wohnung gespielt. Aber dieses Mal war es anders. Als ich aus seinem Zimmer kam, sah das Wohnzimmer ganz anders aus. Alles war ganz ruhig. Auf dem Tisch gab es eine weiße Decke. Frau Schneider stellte zwei Leuchter mit neuen Wachskerzen auf dem Tisch. Zwischen die Leuchter und den Platz von Herrn Schneider legte sie zwei selbstgebackene Brote. Es gab auch eine Flasche Wein und ein Gebetbuch. Ich habe Friedrich gefragt, was hier los wäre. Er antwortete leise: "Sabbat!" Ich wußte gar nicht, wie ich mich benehmen sollte. Aber das war egal. Herr Schneider war so nett. Ich fühlte mich als ob ich ein Mitglied der Familie wäre. Er hielt den Becher und betete. Wir tranken alle einen Schluck Wein und aßen ein Stückchen Brot. Dann hörte ich meine Mutter unten. Ich mußte gehen. Ich werde diesen Tag nie vergessen. |
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| Ich: | Opa, es gibt auch einen jüdischen Schüler in meiner Klasse. Er spricht oft von seinem "Bar Mizwah". Hat Friedrich auch so etwas erlebt? |
| Opa: | Ja, natürlich! Jeder Jude macht seinen "Bar Mizwah", nachdem er dreizehn wird. Ich erinnere mich ganz genau an dieses Fest. |
| Ich: | Du warst dabei? |
| Opa: | Ja, dieser war ein sehr wichtiger Tag für ihn. |
| Ich: | Wieso denn? |
| Opa: | Er war an diesem Tag als männlicher Jude in die Gemeinde aufgenommen. |
| Ich: | Was bedeutet das? |
| Opa: | Von dem Tag an war er für seine Taten und Handlungen im religiösen Sinn voll verantwortlich. Als Zeichen dafür durfte er zum erstenmal aus der Thora vor der Gemeinde vorlesen. |
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*Gesegnet... der uns durch seine Gebote geheiligt hat und uns geboten hat, uns mit den Worten der Thora zu beschäftigen. *Mögen die Worte deiner Thora lieblich sein in unserem Munde ... damit wir und alle unsere Nachkommen deinen Namen erkennen, indem wir deine Thora lernen. Gesegnet ... der sein Volk Israel Thora lehrt. *Gesegnet ... der uns von allen Völkern auserwählt hat, indem er uns seine Thora gab. Gesegnet DU, der die Thora gegeben hat. |
| Opa: | Leider war es zu dieser Zeit nicht immer so schön für Friedrich. |
| Ich: | Erzähl mal, Opa! |
| Opa: | Hier ist ein Bild aus der Zeitung. Kannst du jetzt besser verstehen? |
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| Jüdische Mitschüler
werden vor der gesamten
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| Ich: | Dein Lehrer hat das zu Friedrich gemacht? |
| Opa: | Glücklicherweise nicht. Aber am 15. November 1938 mussten alle jüdischen Kinder aus deutschen Schulen entfernt werden. Das war nicht der Wunsch meines Lehrers. Herr Neudorf war sehr sympathisch. Er versuchte, der ganzen Klasse die Geschichte der Juden zu erklären. Seine Worte über die Juden werde ich nie vergessen. |
| Ich: | Was hat er denn gesagt? |
| Opa: | "Juden sind Menschen, Menschen wie wir!" |
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"Man sollte Juden und Israelis weder als Unmenschen noch als Übermenschen darstellen, sondern als das, was sie immer waren, sind und bleiben werden: als Menschen." Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte |
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