Mein Großvater, seine Mutter, sein Vater, Friedrich, Frau Schneider und Herr Schneider
 
Ich: Opa, ich soll ein Projekt über die Nazizeit machen und soll jemanden interviewen, der diese Zeit selber erlebt hat.  Du warst damals Kind. Was kannst du mir über deine Kindheit erzählen?
 
Opa: Tja, ich glaube, ich kann dir diese Zeit am besten erklären, indem ich dir von meinem Freund Friedrich Schneider erzähle.  Aber zuerst sage ich vielleicht etwas über unser Haus.  Der Hausbesitzer hieß Resch.  Herr Resch saß immer bei schönem Wetter in seinem Garten neben Polykarp, seinem Gartenzwerg, der nie seinen Platz verließ.  Sonst sah man ihn vom Fenster auf den Garten sehen.  Er hatte es zum Großhandelsvertreter für Badeanzüge geschafft.  Nun ließ er andere für ihn arbeiten.  Er herrschte auch sein Haus; das war sein Herschaftsbereich, und wir Hausbewohner waren seine Untertanen. 

Meine Eltern wohnten damals im ersten Stock.  Mein Vater war arbeitslos, als ich mich anmeldete. Genau eine Woche nach meinem Geburtstag wurde Friedrich geboren.

 
Ich Erzähl mir mal, wie das Leben damals in Deutschland aussah.
 
Opa:  Die meisten Deutschen hatten keine Ersparnisse mehr, denn wir hatten eben die Geldentwertung überstanden.  Nicht nur mein Vater, sondern viele Menschen waren damals arbeitslos.
 
Informationen zu den 20er Jahren
 
Allgemeine Ereignisse:
Eine Chronik des Jahres 1924
Eine Chronik des Jahres 1925
Eine Chronik des Jahres 1926
Eine Chronik des Jahres 1927
Eine Chronik des Jahres 1298
Eine Chronik des Jahres 1929
 
Wie das Geld aussah:
Reichsbanknoten
 
Kultur:
Die Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weil hatte ihre Uraufführung am 31. August 1928 in Berlin.
 
Young Plan/Locarno Conference 
Menükarte von der Konferenz
 
 
Nazionalsozialismus:
Am 11. November 1923, nach dem Scheitern des „Hitler-Putsches" und dem Verbot der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), wurde Adolf Hitler verhaftet.  Der bayerische Volksgerichtshof in München attestierte ihm eine „vaterländische Gesinnung" und verurteilte ihn am 1. April 1924 aufgrund „mildernder Umstände" zu der Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft.  Bereits am 20. Dezember 1924 wurde Hitler wegen „guter Führung" aus der Festung Landsberg entlassen.  Schon Ende Februar 1925 hatte er die „Neugründung" von der NSDAP und der SA vorbereitet.  Als unumstrittener „Führer" von seiner „Gefolgschaft" akzeptiert, bekannte Hitler sich beim Kampf gegen die Republik und die Demokratie nun offiziell zum „Legalitätskurs".  Er empfahl sich und seine „Bewegung" einerseits als Bewahrer aller bedrohten Werte, andererseits baute er die SA zu einer Terrororganisation aus, die auch vor der Ermordung politischer Gegner nicht zurückschreckte. 
 
 
 
Ich:  Erzähl mir jetzt etwas von deiner Kindheit, als du und Friedrich klein wart.
 
Opa Als Friedrich vier Jahre alt war, kam er das erste mal zu uns in die Wohnung.  Ich wollte meine Spielsachen nicht mit ihm teilen und stellte mich vor meine Zimmertür.  Er hatte eine Kuckucksflöte, die sein Vater ihm aus dem Schwarzwald mitgebracht hatte, und ich durfte darauf blasen.  Danach teilte ich auch meine Spielsachen mit ihm.  An demselben Tag halfen wir meiner Mutter, Reibekuchen zu backen.
 
Ich Kannst du mir das Rezept dafür geben?
 
Opa Ja, gern.  Es war das Lieblingsgericht meines Vaters.  Du brauchst ein Reibeisen dazu.  Wir hatten damals eine Reibmaschine.  Die Hauptzutaten sind Kartoffeln.
 
 
 
 
Reibekuchen -- Reibedatschi -- Kartoffelpuffer -- Kartoffelpfannkuchen
Zutaten
  • 2 Eier 
  • 3 Tassen geriebene Kartoffeln (geschält, natürlich) 
  • 4 Esslöffel geriebene Zwiebeln 
  • 1 Teelöffel Salz 
  • 1 Teelöffel Pfeffer 
  • 2 Esslöffel Mehl 
  • Butter, Öl oder Fett zum Braten 
Für acht Personen.
Hinweise
  • Die Kartoffeln waschen, schälen, reiben.
  • Die Eier schlagen. Kartoffeln, Zweibeln, Salz, Pfeffer und Mehl dazu geben und rühren.
  • Das Fett in der Pfanne erhitzen.  Den Brei in Pfannkuchengröße dazugeben.
  • Auf beiden Seiten braten, bis die Reibekuchen braun sind.
  • Mit Apfelmus servieren.
 
 
Ich: Erzähl mir von diesem Bild mit den zwei Kindern in der Badewanne.
 
Opa: Wir balgten uns über einen Reibekuchen und beschmutzten uns.  Mutter steckte uns beide in die Badewanne, weil wir uns so bekleckert hatten.
 
 
Ich: Und das Bild mit dem Schneemann hier, hast du den gemacht, als du klein warst?
 
Opa: Nein, den haben Friedrich und seine Mutter gebaut.  Ich wollte auch damals gerne im Schnee spielen.  Ich schaute zum Fenster hinaus und wartete auf meine Mutter.  Als wir beide angezogen und fertig zu gehen waren, hörten wir, wie unten ein Fenster aufgerissen wurde.  Herr Resch brüllte, brüllte mit aller Kraft:  "Willst du wohl meine Rosen in Frieden lassen, du!"  Meine Mutter wich einen Schritt zurück.  "Komm", sagte sie, "komm weg vom Fenster!"
 
 
 
 
 
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