| Ich: | Opa, sag mir mal, wie dein Großvater war. |
| Opa: | Er war sehr streng und lachte nie, als du von seinem Bild sehen kannst. |
| Ich: | Aber wie war er, was hat er, zum Beispiel, von den Juden gehalten? |
| Opa: | Er hat nämlich die Juden gehasst. |
| Ich: | Warum denn? |
| Opa: | Er hatte einen Vorgesetzten, der Jude war. Cohn hieß er. Mein Großvater hasste ihn, weil er ein Gebetstuch mit Fransen immer trug. Er hat auch nicht einmal im Zimmer den Hut abgesetzt. Großvater hat auch gemeint, dass wir die Juden hassen sollten, weil sie unseren Herrn ans Kreuz geschlagen haben. Mein bester Freund Friedrich war auch Jude. Das war mir so peinlich, wenn Opa so komisch redete. |
Huttragender Jude |
Tallith |
| Ich: | Was hast du an deinem ersten Schultag gemacht? |
| Opa: | Wir haben in der Schule das Lied "Hänschen klein" gesungen, wir haben Schultüten bekommen, und dann sind wir auf den Rummelplatz gegangen. |
| Erste Version
1. Hänschen klein
2. Sieben Jahr
3. Eins, zwei, drei
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Zweite Version
1. Hänschen klein
2. Lieb' Mama,
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1. Die Fahne hoch |
Den Leichenzug des am 23.2.1930 tödlich verletzten SA-Führers Hort Wessel muss die Polizei mit Panzern schützen |
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Mein lieber Sohn und sein Freund Friedrich am ersten Schultag, 1931 |
| Liebe Ulrike,
Hier kannst Du ein Bild von Deinem Patenkind und seinem Freund Friedrich sehen, der nämlich über uns wohnt, am ersten Schultag. Was für ein Tag ist es gewesen! Alles war für mich und besonders für Vati ein bißchen peinlich, weil Vati immer noch keine Arbeit hat. Die Schultüte war nur mit verzuckerter Zwiebäcke und Zeitungen gefüllt. Wir mußten unseren Sohn bitten, die Schultüte nicht aufzumachen, bis wir zu Hause waren. Friedrichs Tüte war natürlich voll von Süßigkeiten, einschließlich Schokolade, weil Herr Schneider Beamter bei der Post ist. Dann hat Herr Schneider uns eingeladen, mit zum Rummelplatz zu gehen. Die Kinder sind mit Pferden auf dem Pferdekarussell geritten (Karten von Herrn Schneider gekauft), haben Stäbchen mit riesigen Bällen Zuckerwatten gegessen (Frau Schneider hat sie gekauft), haben auch Bockwurst mit Senf und Brötchen (von Herrn Schneider wieder) und Lakritzstangen (Vati hat sie mit dem Haushaltsgeld gekauft) gegessen und sind mit dem Feuerwehrkarussel gefahren (Herr Schneider noch mal). Dann hat Vati mit dem Geldrest ein Foto von uns sechs auf einem riesigen Pferd machen lassen. Viele liebe Grüße Deine Schwester |
| Ich: | Wie und wann hat dein Vater wieder Arbeit gefunden? |
| Opa: | Er ist '33 der Partei beigetreten. |
| Ich: | Welcher Partei, Opa? |
| Opa: | Der NSDAP, das heißt, der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. |
| Ich: | Ach, die Nazi-Partei. |
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| Fahne des dritten Reiches | Adolph Hitler | Hitler und Hindenburg |
Zeittafel des Jahres 1933
| 4. Januar Besprechung
Hitlers mit Papen im Haus des Bankier Schröder in Köln.
11. Januar Reichslandbund unter Führung v. Kalckreuths dringt bei Hindenburg auf die Entlassung Schleichers. 15. Januar Wahlsieg der NSDAP in Lippe unter Einsatz ihres gesamten Propagandaapparates. 20. Januar NSDAP und DNVP lehnen Unterstützung der Schleicher-Regierung ab. 22. Januar Verhandlungen zwischen Papen, Meißner, Oskar v. Hindenburg und Hitler über Regierungsneubildung im Haus Ribbentrops in Berlin. Aufmarsch der SS und SA unter Polizeischutz vor dem Karl-Liebknecht-Haus in Berlin. 28. Januar Rücktritt Schleichers, weil Hindenburg die Erklärung des Notstands, die Auflösung des Reichstags und den Verzicht auf Neuwahlen abgelehnt hatte. 30. Januar "Machtergreifung": Hindenburg beauftragt Hitler mit der Regierungsneubildung (Hitler-Papen-Regierung). Vizekanzler und Reichskommissar in Preußen: Papen; Äußeres: Neurath (parteilos); Inneres: Frick (NSDAP); Reichswehr: Generalleutnant von Blomberg (parteilos); Finanzen: Schwerin von Krosigk (parteilos); Post und Verkehr: Eltz v. Rübernach (parteilos); Wirtschaft, Ernährung, Landwirtschaft und Reichskommissar für Osthilfe: Huenberg (DNVP); Arbeit: Seldte (Stahlheim-Führerk, ab April 1933 NSDAP);Minister ohne Geschäftsbereich, Reichskommissar für Luftfahrt: Göring (NSDAP); Justiz: Gürtner (DNVP) seit dem 1. Februar und ab 13 März Minister für Volksaufklärung und Propaganda: Goebbels. 31. Januar Hitler verkündet im Radio den Aufruf des Kabinetts der "nationalen Erhebung". |
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| 1. Februar Hindenburg
setzt auf Drängen Hitlers für den 5. März Neuwahlen an.
2. Februar Demonstrationsverbot erlassen. 3. Februar Hitler trägt der Reichswehrführung sein "Lebensraum-Programm" vor. 4. Februar Verordnung des Reichspräsidenten "zum Schutz des deutschen Volkes"; drastische Einschränkung der Versammlungs-, Rede- und Pressefreiheit. 8. Februar Kabinettsbeschluss über die Vorrangigkeit der Bedürfnisse der Reichswehr vor denen für zivile Maßnahmen bei der Vergabe von Mitteln. 12. Februar Blutsonntag in Eilsleben: 500 SA-Leute überfallen Versammlung der Roten Hilfe. 17. Februar "Schießerlass" Görings bei Zusammenstößen zwischen "nationalen Verbänden" und Antifaschisten. 20. Februar Der NSDAP nahestehende Industrielle (Krupp AG, Vereinigte Stahlwerke u.a.) stellen der NSDAP spende von 3 Millionen RM für den Wahlkampf und zur "Abwehr des Kommunismus" zur Verfügung. 24. Februar SA, SS und Stahlhelm werden "Hilfspolizei". 27. Februar Reichstagsbrand, wird zum Vorwand einer großangelegten Terrorwelle gegen Antifaschisten und Kommunisten. 28. Februar Verbot der KPD. Hindenburg erlässt die "Verordnung zum Schutz von Volk und Staat": Aufhebung der Grundrechte der Weimarer Verfassung, verschärfte Strafbestimmungen. Einführung der "Schutzhaft". Der Ausnahmezustand bleibt die formaljuristische Basis des Faschismus. |
Reichstagbrand |
| 3. März Verhaftung
des Vorsitzenden der KPD, Ernst Thälman.
5. März Letzte Reichstagswahlen: SPD 120 Sitze KPD 81 Sitze DNVP 53 Sitze Zentrum 73 Sitze BVP 19 Sitze 5. März Erste Aktionen gegen jüdische Bürger. 7. März Verbot von Reichsbanner und Eiserner Front. 9. März Faschisten erklären die Mandate der KPD für ungültig und erlassen Haftbefehl gegen alle Abgeordneten der KPD. Dadurch erhält die NSDAP die absolute Mehrheit im Reichstag. Kein Protest der bürgerlichen Parteien. 12. März Reichspräsident erklärt die schwarz-weiß-rote und die Hakenkreuzflagge anstelle der schwarz-rot-goldenen zu den offiziellen Staatsfarben. 17. März Schacht wird erneut Reichsbankpräsident. 20. März Errichtung des Konzentrationslagers Dachau. 1933 werden insgesamt 100 KZs eingerichtet und 150.000 Menschen verschleppt. 21. März Tag von Potsdam. Sondergerichte. 24. März Reichstag beschließt das "Gesetz zur Behebung der Not in Volk und Staat" (Ermächtigungsgesetz) gegen die Stimmen der durch Verhaftungen bereits stark dezimierten SPD-Fraktion. 31. März Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich erlassen: Umbildung der Länderparlamente entsprechend der Reichstagswahl. |
Hermann Göring
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| 1. April Boykott
aller jüdischen Geschäfte durch die SA.
4. April Bildung des geheimen "Reichsverteidigungsrats". 7. April Gesetz zur "Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" erlassen, Entfernung von "politisch unzuverlässigen" und "nicht-arischen" Beamten aus dem Dienst. 10. April Der 1. Mai wird zum "Tag der nationalen Arbeit" erklärt. 26. April Errichtung des "Geheimen Staatspolizeiamtes" in Berlin. 28. April Wiedereinführung der seit 1920 abgeschafften Militärgerichtsbarkeit. |
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| 1. Mai Programm des
"Unternehmens Reichsautobahn" verkündet.
2. Mai SA stürmt die Gewerkschaftsbüros und zerschlägt die Gewerkschaftsorganisation. 10. Mai Bücherverbrennungen. 17. Mai Die sogenannte "Friedensrede" (außenpolitisches Programm Hitlers) vom Reichstag mit den Stimmen der SPD gebilligt. |
Bücherverbrennungen |
| 22. Juni Verbot der
SPD.
27. Juni Hugenberg wird im Kabinett durch einen Nazi ersetzt. 27. Juni - 5. Juli Selbstauflösung der übrigen Parteien. |
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| 3. Juli Hitler erklärt
die "deutsche Revolution" für beendet.
14. Juli "Gesetz gegen die Neubildung von Parteien" erlassen. "Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses" erlassen (Zwangssterilisation und Erbgesundheitsgerichte); "Gesetz zur Widerrufung von Einbürgerungen und Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft" und "Gesetz über die Verfassung der deutschen evangelischen Kirche" (zur Einordnung der Kirche ins faschistische System, gegen die sich die "Bekennende Kirche" mit Martin Niemöller an der Spitze wandte) beschlossen. 20. Juli Konkordat mit der katholischen Kirche abgeschlossen. |
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| 1. August Erste Todesurteile gegen politische Gegner vollstreckt (vier Kommunisten). Bis Ende 1933 66 Todesurteile ausgesprochen. | |
| 13. Sept. Winterhilfswerk
gegründet.
21. Sept. Reichstagsbrandprozeß gegen Dimitroff und van der Lubbe beginnt. |
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| 1. Dezember "Gesetz
zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat" erlassen. R. Hess wird
Reichsminister ohne Geschäftsbereich.
19. Dezember Der evangelische "Reichbischof" Müller überführt die Evangelische Jugend geschlossen in die Hitler-Jugend. |
Fahne der Weimarer Republik 1919-1933 |
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Sommer 1933
Liebe Ulrike,
Ich konnte kaum warten, Dir die Nachrichten zu geben! Vati hat Arbeit gefunden. Endlich. Er ist mehr als neun Jahre arbeitslos gewesen, aber jetzt kann er was für seine Familie tun. Es war so peinlich, Geld vom unserem Vater nehmen zu müssen. Zuerst war die Inflation so schlimm, die Preise waren so hoch, und dann hat Vati seinen Job verloren. Das Geld war immer so gering, und wir konnten nie was Neues für unseren Sohn kaufen. Das einzige, was mich stört, ist, daß Vati in der Partei beitreten mußte, um Arbeit zu haben. Ich habe manchmal das Gefühl, daß diese Partei zu keinem guten Ende kommen kann und nicht gut für Deutschland ist. Besonders stört es mich, wie sie die Juden behandeln. Tja, die Politik ist nicht meine Sache. Herr Schneider, der Jude, der oben wohnt, hat auch wieder eine Stelle. Er arbeitet jetzt bei dem Kaufhaus Herschel Meyer. Friedrich, sein Sohn, hat eben einen neuen Anzug. Na ja, er war nicht so lange arbeitslos wie mein Mann, und ich freue mich auch darüber, weil Friedrich und unser Sohn miteinander so gut befreundet sind. Herr Schneider hat am vorigen Tag beiden Kindern eine Kleinigkeit gekauft. Er ist immer so nett zu uns. Mit herzlichen Grüßen Deine Schwester |
Inflationsposter aus der Zeit der Weimarer Republik. |
Geldhaufen zur Weimarer Zeit |
Viele Arbeitslose sind in die Partei getreten, um Arbeit zu finden. |
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